|
|

Kaum zu glauben,
dass hinter Airmate ein erst 27-jähriger Vollblutmusiker steckt
- so sehr vollgesogen mit Soul, Wissen und Studio-erfahrung ist
das Album „Carry On Wise Guy“. Bei Hannes Bieger aber ist die Rede vom Ausnahmetalent tatsächlich
angemessen. Nach Deep-House-Hits, Filmmusik und dem Album des Duos LLava debütiert er nun mit seinem Solo-Projekt Airmate und lässt seiner großen Leidenschaft für Soul freien Lauf. Dafür hat er sich mit hochkarätigen
Vokalisten aus London, New York und Berlin in sein Kreuzberger Studio
begeben. |
 |
Entstanden
ist ein facettenreiches Produzentenalbum, das zeitlosen Soul mit
Pop-Appeal, Clubenergie und Jazzsensibilität verwebt.
Der Opener „Messing Around“ gibt den Vibe vor, auf dem sich das vielseitige Spektrum von „Carry On Wise Guy“ entfaltet: immer soulful, erdig und ehrlich. Über einer funky Minimoogfigur und tighten Breaks singt kein Geringerer als Mozez von der britischen Band Zero 7, als sei Curtis Mayfield zu Besuch im Kiez. Wahrhaftige Hitqualitäten hat auch „Let It Go“, das in Zusammenarbeit mit der fantastischen Izzi Dunn entstanden ist. Der kompakte Popsong ist der renommierten Sängerin und Cellistin (u. a. Gorillaz, 4hero, George Harrison) auf den Leib geschneidert: deep und doch leichtfüßig schwebt sie über einem lässigen Downbeat, der auch Erykah Badu stehen würde. |
|
|
|
An
die goldenen Siebzigerjahre des Soul von Al Green bis Donny Hathaway
knüpfen die charmanten Bläsersätze von „Doin’ Rounds“ mit der De-Phazz-Sängerin Pat Appleton an. Die Schnittstelle zum Neo-Folk füllt Newcomer Thief mit „Slow Down“ mit verträumter Sehnsucht. Dass Airmate auch im Club zuhause ist, wird spätestens bei „No Chains“ klar: 7 Minuten Rhythmus-Eleganz, die Broken Beats auf den Floor zurückholen. Fat Jon von den Five Deez erweitert mit rasantem Storytelling die beachtliche Bandbreite des Albums um HipHop der Open Minded School. Einer der Höhepunkte
von „Carry On Wise Guy“ ist das hypnotisch kribbelnde Stück „The Love Below“ mit Platnum. Referenzen helfen hier nicht viel weiter: das ist große Kunst, die jedem Musikliebhaber schlichtweg die Schuhe ausziehen dürfte.
Alleine schon
durch die internationale Auswahl an Sängerinnen und Sängern überschreitet Airmate mühelos lokale und nationale Grenzen. Zwar entpuppt sich Hannes Biegers Homebase in Berlin mehr und mehr zu einem Knotenpunkt für
Soulhybride um Protagonisten wie Jazzanova. |
Biegers Jazzsensibilität aber knüpft viel mehr an die Übersetzung klassischer Ideale an, ähnlich wie bei 4hero. Die Pop-Momente erinnern an genresprengende Acts wie Moloko oder Portishead. Und das hier produktiv gemachte Musikwissen reicht von einer Wertschätzung von Led Zeppelin über Pharoah Sanders und Antonio Carlos Jobim bis zu Lalo Schifrin und Matthew Herbert.
All diese Einflüsse nutzt Hannes Bieger, um die Konturen seiner musikalischen Philosophie zu schärfen und sie formvollendet in die Praxis umzusetzen: Musik muss zugänglich und komplex zugleich sein. Unter den Ebenen der einladenden Geste des Pop und der unmittelbaren Intensität des Soul eröffnen sich komplexe Strukturen und ein Reichtum an Details.
|
 |
 |
Ein Statement für sich sind die Produktionsmittel. Am Wettlauf um die neusten Plug-Ins beteiligt sich Hannes Bieger nicht. Lieber verlässt sich er sich auf seine exquisite Sammlung analoger Instrumente: Minimoog, Fender Rhodes, Wurlitzer und Clavinet zeichnen für das warme und edle Klangbild verantwortlich. Als Spezialist und Fachautor im Bereich High-End-Vintage-Recording lässt er aber nicht nur uralte Röhrenkompressoren, sondern natürlich auch digitale Mittel für sich arbeiten ohne dabei die Magie des Moments zu zerstreuen: nur ein halbes Jahr dauerte die Produktion des Albums.
„Carry On Wise Guy“ ist die beeindruckende Kür eines der größten Talente aus der hiesigen Produzentenlandschaft. Mithilfe einiger seiner Lieblingsvokalisten hat Hannes Bieger alias Airmate fünfzehn makellose und pulsierende Stücke erschaffen, die unmittelbar berühren, bewegen, und mit der Zeit wachsen.
So offen Airmates Auslegung von guter Musik ist, so schlüssig und rund produziert fängt er dabei Soul als universellen Vibe ein.
|
|
Gästeliste auf dem Album "Carry On Wise Guy":
|
 |
Mozez alias Osmond Wright ist auf Jamaika geboren und lebt seit vielen Jahren in London. Als Sänger von Zero 7 ist er auf den beiden Erfolgsalben der Band vertreten. Sein Solo-Album „So Still“ (Apace Music) ist letzten Herbst erschienen. Produziert wurde es von Guy Sighsworth, der schon Hits für Björk, Madonna und Seal schrieb. Sowohl Zero 7 als auch Nightmares On Wax unterstützen Mozez auf seinem Debüt. Mozez Stimme ist auch auf dem Album von Soul G And Tony Match und dem neuen Album von Nightmares On Wax zu hören. |
|
|
 |
Izzi Dunn gehört derzeit zu den vielseitigsten und gefragtesten Musikerinnen des Königreichs. Die Sängerin, Cellistin und Keyboarderin hat bereits mit MJ Cole, Roots Manuva oder Soul II Soul zusammengearbeitet und gilt als London’s Finest, wenn es um soulige Vocals geht. Als Cellistin wurde sie bereits von George Harrison, Oasis oder 4hero engagiert. Zuletzt tourte sie mit den Gorillaz. Ihr vielbeachtetes Solo-Album "The Big Picture" ist auf Fireworx erschienen. |
|
|
 |
Pat Appleton lebt in Berlin. Vielen dürfte die afrodeutsche Sängerin von dem Lounge-Kollektiv De-Phazz und ihrem Hit "The Mambo Craze" bekannt sein. Mit Hannes Bieger alias Airmate hat sie schon einige Male zusammengearbeitet. So ist sie zu Gast auf seinem LLava-Album gewesen und hat auch auf seiner Bossa Boutique 12" gesungen, die beide auf Mole Listening Pearls erschienen sind. |
|
|
 |
Die Brasilianerin Pat C. kommt aus dem Umfeld des Bungalow-Labels - sie lebt ebenfalls in Berlin und hat schon mit Le Hammond Inferno, Maxwell Implosion und Stereo Deluxe zusammengearbeitet. International fand sie als Sängerin von Fantastic Plastic Machine einige Beachtung. Besonders in Japan hat sie große Erfolge gefeiert. |
|
|
 |
Marishka Phillips kommt aus New York. Die Sängerin und Schauspielerin wurde hierzulande von Sandboy (aka Homegrown) entdeckt, der sie für seinen Song „The Hike“ ans Mikrofon gestellt hat. (Dieser Titel ist auf der Compilation "Listening Pearls - Future Point Of Contact" zu hören). In Europa ist sie noch ein Geheimtipp. In den Staaten hat sie sich als klassische Jazzsängerin etabliert. |
|
|
 |
Ruth-Maria Renner alias Platnum ist spätestens seit ihrem Album „Rock Me“ auf Sonar Kollektiv keine Unbekannte mehr. Die gebürtige Rumänin und alteingeses-sene Berlinerin hat aber auch schon mit Cultured Pearls und Soulounge kooperiert. Mit Hannes Bieger alias Airmate verbindet sie eine langjährige Zusammenarbeit. |
|
|
 |
Fat Jon kommt
aus Cincinnati/USA und wohnt seit ein paar Jahren in Berlin. Ohne
Berührungsängste zu den elektronischen Szenen ist der MC und HipHop-Produzent der dritten Art mit offenen Armen von der Dub-, über die House- bis zur Clicks’n’Cuts-Gemeinde aufgenommen worden. Sein Sound befördert HipHop ins digitale Zeitalter. Seine Roots in der goldenen Ära des HipHop vergisst er dabei aber nicht, hat er doch schon mit Talib Kweli oder J. Rawls Beats gekickt. Zuletzt erschien das Album „Kommunikator“ (!K7)
von seiner Gruppe Five Deez.
|
|
|
 |
Thief ist
auf den beiden Folk-Compilations „Secret Love“ von Jazzanova vertreten. Gegenwärtig produzieren Extended Spirit/Jazzanova ein Album mit ihm. Danach wird es wohl endgültig
vorbei sein mit dem Ruf des Geheimtipps.
|
|
|
 |
Urzula Amen kommt
aus Schweden. Gemeinsam mit Hannes Bieger hat sie in dessen frühen Hamburger Tagen in einer Band gespielt. Auf der Airmate 12" von 2003 (Nighclubbing.Music) stand sie bereits am Mikrofon, ebenso wie bei Rivera Rotation und Taverne Du Lac. Sie beschließt
das Album mit frischem Pop-Appeal. |
Discographie:
2003:
Frequencies (Nightclubbing.Music) 12"
2006:
Carry On Wise Guy (mole071-2) CD, mp3
|
|
Photos by Anne-Marie Jonsbak
|
|