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Eine Bushaltestelle irgendwo in der Lüneburger Heide im Jahre 1996. Auf ihrem Weg zu einem Musikworkshop stehen sich Bernd und Nico zum ersten Mal gegenüber. Rein zufällig, aber Zufälle gibt's ja nicht, und im Lauf des Arbeitswochenendes machen sie eine Reihe von erstaunlichen Entdeckungen. Sie haben beide Bücher von T.C. Boyle im Gepäck, sie mögen die gleiche Musik sowie die gleichen alkoholischen Getränke und sie leben seit zwei Jahren in Hamburg zwei Straßen voneinander entfernt, ohne sich je begegnet zu sein. Wieder zurück in Hamburg finden sie einen Proberaum,


den ihre jeweiligen Bands miteinander teilen können, schreiben Songs zusammen und treten auch gemeinsam auf. Alles sehr enthusiastisch und alles sehr erfolglos. Wobei sie heute noch finden, dass ihre Musik damals sehr wohl Klasse hatte. In diese Zeit fällt auch der erste gemeinsame Trip nach Italien zum Haus von Bernds Eltern, wo sie fortan jedes Jahr im August zwei Wochen lang abhängen, Songs schreiben, Lasagne kochen und sich stundenlange Boccia-Duelle liefern.
Zu ihrem Privatvergnügen starten die beiden ein kleines Nebenprojekt - graben in alten Vinylsammlungen nach Samples, basteln elektronische Sounds, suchen nach neuen Grooves, kurzum: Ohne es zu ahnen, schlagen sie schon 1998 den Weg ein, der schließlich zu Naomi führen wird. Aus der ehrgeizigen Arbeit wird wieder Spiel.
Und wann immer sie Freunde oder befreundete Musiker die neuen Tracks hören lassen, ernten sie große Begeisterung. Das gibt zu denken. Bei einem von Bernds regelmäßigen Süddeutschland-Trips als Moderator eines großen Radiosenders schlägt ein Kollege 1999 vor, sie könnten doch mal ein Demo an Mole Listening Pearls schicken. Gesagt, getan.
Die "Menschen von Mole" sind umgehend angetan. Wenige Monate später (2000) erscheint die erste Naomi Vinyl 12inch mit vier Titeln. Die Musikpresse (besonders auch in England!) ist begeistert.
Wieder so ein Zufall. Im April 2000 sehen sich die beiden plötzlich zur selben Zeit gezwungen, ihre jeweiligen Wohnungen in Hamburg zu räumen. Spontan beschließen sie, nach Berlin zu ziehen. Seitdem wohnen sie am Prenzlauer Berg, wo auch genügend Platz für ihr Studio ist. Nach weiteren Single-Veröffentlichungen, Beiträgen zu Compilations und Remix-Aufträgen, nachdem der Naomi-Sound gefunden, die Technik perfektioniert und Dutzende neuer Tracks im Kasten sind (teilweise auch wieder mit Vocals, wodurch sie geschickt ihre chronische Liebe zu Pop und Songwriting in den elektronischen

Kontext geschmuggelt haben), beenden sie die Arbeiten zu ihrem Debütalbum "Everyone Loves You", das Anfang April 2002 veröffentlicht wird. Kurz darauf wird der Song „Go“ für den bundesweit ausgetrahlten TV und Kinospot von Amnesty International (mit Franka Potente) ausgewählt. In der Amnesty Zentrale laufen bald die Telefone heiß, als immer mehr Anrufer nach dem Titelsong des Werbespots fragen.

Während die Arbeiten am zweiten Album "Pappelallee" beginnen, entsteht Nicos erster Roman, den er mit dem langjährigen Kölner Freund und Schreibpartner Thomas Mersch in Angriff nimmt. Im Laufe des Jahres 2003 nimmt das neue Album immer konkretere Formen an. Die drei Jahre gemeinsamen Wohnens und Arbeitens machen das Album kompakter und persönlicher als das Debütalbum, ohne dabei ins Private abzugleiten. "Papelallee" (2004) - ein Popalbum: mehr Vocals, mehr Gitarren, deutliche Singer / Songwriterstrukturen.
Der Titel „Pappelallee“ markiert die neue Berliner Phase, steht aber auch für den ständig präsenten Humor des Duos: vier Buchstaben in einem ziemlich langen Wort und die Freude auf französische und englische Aussprachevarianten! Die erste Single-Auskopplung 2004 wird mit „King Kong Is Not Dead“ gleich ein optimistisches Elektropop Juwel.

Die Süddeutsche Zeitung bescheinigt dem Duo dann auch eine „perfekte Balance zwischen bittersüßen Harmonien und entspannten Rhythmen, wie man sie sonst nur von Air oder den Pet Shop Boys kennt“. Der Kulturspiegel schwärmt vom „eleganten, verträumten, aber immer auch modernen Elektro-Pop“; Der Rolling Stone vergibt vier Sterne - Prädikat "formidabel".
Fast parallel dazu erscheint unter dem Pseudonym Tobias Königshausen (als Autorenduo mit Thomas Mersch) Nicos Roman „Treibsand. Eine Liebesgeschichte“ als eine der Top Veröffentlichungen bei Knaur Lemon.

Das dritte Album von Naomi "Aquarium" (2006) ist poppiger denn je und so eingängig wie aufregend. Das Duo verzichtet fast bei diesem Album völlig auf die Klanglandschaften von früher, auf tragende Samples, Echoschleifen oder flächige Sounds. Stattdessen: reduzierte bis minimale Arrangements, Gitarren und E-Piano, Mellotron und sparsame Synthesizer über trockenen, Hiphop-beeinflussten Beats. Vor allem keine Instrumentals mehr, sondern: Songs. Meist klassisch strukturiert, atmosphärisch dicht und fast durchweg Single-tauglich, wie schon die grandiose erste Auskopplung "Another Bite Of The Apple" offenbart.

Die neuen Naomi Songs sind wohltuende Songs, so plakativ wie tiefgründig, so kantig wie emotional. Ihre Protagonisten kennt man aus dem Badezimmerspiegel: den Verlassenen in „Perfect Day In Hell“, der seiner Liebe einen hilflosen Brief aus der Gefühlswüste schreibt oder den Tagträumer in „Personal Big Bang“, der vor lauter großen Plänen untätig sitzen bleibt.

Trotz dieser verqueren Momente bringen Naomi die Welt ins Reine.


Der Spagat gelingt durch ihren typischen Mix aus strahlenden Melodien und entspanntem Understatement, aus großen Emotionen und lakonischen Details. Wobei "Needle On The Record" oder "How Many Loves" klarstellen: Man kann zu Verwirrung auch tanzen.


Abgemischt wurde "Aquarium" übrigens von Patrik Majer („Echo 2006“ als bester deutscher Produzent, u.a. von Wir sind Helden) und Peter Schmidt (Blumfeld, Rosenstolz).


Festplatten beherbergen mitunter ungehobene musikalische Schätze. Fragmente und ganze Songs, verworfene Entwürfe, Vergessenes.

Nur manchmal öffnet jemand die Schatzkiste - und Ideen und Werke, die vor Jahren mit Fragezeichen versehen wurden, ergeben plötzlich wieder Sinn und erblicken zu recht doch noch das Licht der Welt.

Bis zu zehn verschiedene Versionen produziert das Berliner Elektro-Pop-Duo Naomi von jeder Songidee, bis schließlich das passende Arrangement gefunden ist, bis der Song die Form hat, mit der seine Schöpfer glücklich sind. Für Tweak (2008) haben Bernd und Nico einige ihrer liebsten Alternativ-Versionen zusammengestellt und auf der anderen Seite komplett neue Songs aufgenommen. Taufrisch sind davon einige, andere älter - sie passten nicht auf das jeweils zu diesem Zeitpunkt aktuelle Album. Dachten Bernd und Nico zumindest damals...

Das noch halbfertige "Trust" zum Beispiel: ursprünglich mal für Pappelallee geschrieben, fand sich auf einer fast vergessenen Festplatte - und gehört ganz offensichtlich zum Schönsten, was Naomi je produziert hat. "God Knows What God Knows", das düstere Gefecht eines hysterischen Predigers mit einem Engelschor, entstand noch vor dem Debut-Album Everyone Loves You. Die kontemplativ lebensbejahende Ballade "The Party" war hingegen für das letzte Album Aquarium gedacht.

Zu den neuen Stücken gesellen sich frühe Arrangements von Songs, die später in ganz anderer Form veröffentlicht wurden (wie z.B. "October", das als melancholische Ballade auf Pappelallee zu finden ist, ursprünglich jedoch als leicht bombastischer Rocker begann), Studio-Überarbeitungen von Live-Versionen sowie Treibgut und Verschollenes, wie die nie veröffentlichte Single-Version des amnesty-international-Songs "Go“.

Mit dem Wiederentdecken kamen die Ideen. Ein wenig Feintuning an den Beats, ein paar frisch aufgenommene Vocals - und bisweilen konnten Bernd und Nico der Versuchung auch nicht widerstehen, ganze Songs noch einmal in ihre Einzelteile zu zerlegen und und etwas völlig Neues daraus zu machen. "Tweak" war entstanden.


Das britische Starproduzenten-Team Xenomania (Pet Shop Boys, Sugababes) bat Naomi kürzlich um ein Sample (und bekam es auch); der drei Jahre alte Naomi-Track „Needle On The Record“ ist ein konstanter Seller im US-iTunes Store; auf ihren Myspace- und Facebook-Seiten finden sich Liebeserklärungen von Fans aus Russland, Mexico, Texas oder Taiwan - nur in Deutschland blieben Naomi bisher notorisch Geheimtipp (wenngleich Kritikerlieblinge, über die sich die Autoren von SZ oder FAZ bis Intro und jetzt.de oder Rolling Stone in ihrem regelmäßigen Lobpreis einig waren). Diesen Geheimtipp-Status könnten Naomi mit dem 2010 erschienenen fünften Album "The Big Shapes" nachhaltig überwinden.

Ideenfülle, Songwriting, Pop-Attitüde - alles ist größer, knalliger, schärfer geworden im Naomi-Universum. Bernd Lechler und Nico Tobias sind anfallweise immer noch unheilbar melancholisch, aber diesmal kommt selbst der Weltschmerz in Refrains verpackt, bei denen man „Heilige Kylie!“ rufen möchte.

Und in einen Sound, der klingt wie niemand sonst zur Zeit. Wuchtig programmierte Backbeats tragen punktgenaue Schrammelgitarrenriffs, surrende Synthies zersägen sanfte E-Piano-Linien, das Berliner Duo greift mit vollen Händen in den Pop-Baukasten der letzten vier Jahrzehnte. „Fujiyama“ ist ein Elektroblues mit elegischer Melodica und symphonischem Finale, „Candyfloss“ ein träge stampfendes Funkpop-Monster, und was nach einem langen Sphären-Intro in „Hello Fever“ alles passiert, verträgt fast das Etikett Progrock.

Hier sichert sich jemand nicht ab. Naomi provozieren programmatisch die Coolness-Polizei, pfeifen auf die korrekte Cleverness vergleichbarer Indietroniker und tragen leise lächelnd dick auf.

Auf "The Big Shapes" wird die verbotene Seite der 80er beliehen (die Phil-Collins-Drums von „Morning Belle“), verstecken sich halbironische Zitate wie die Scorpions-Gedächtnis-Gitarren in „Dragon Tree“, wird sich hier vor Kraftwerk, da vor Chic, dort vor den psychedelischen Beatles verneigt. Und wie jeder große Spaß ist auch dieser von großem Ernst getragen: „First Things First“ scheint munter pfeifend den desillusionierten Zwangspragmatismus der Nuller Jahre zu kommentieren.

„Hello Fever“ klingt wie ein Fiebertraum zur Finanzkrise, „Sleep“ erinnert halb hämisch, halb versöhnlich daran, dass nur, wer nichts macht, keine Fehler macht; hinter dem stoisch groovenden Psychedelik-Pop von „Don‘t Die Again OK“ steckt ein Kindheits-Nachtmahr, und der Vocoder-getragene Schlusssong „I‘ll Be The Past“, vielleicht der anrührendste des Albums, ist eine ergebene, ganz offensichtlich autobiografisch inspirierte Meditation über Vergänglichkeit, fast ein Gebet.

Mit so einem Lied ein Album zu beenden, zeigt einen doch eher unrockigen Mut zur Demut und stellt gleichsam rückwirkend alles Knallige dieser popmusikalischen Sterndreiviertelstunde in ein anderes Licht.


„Wundersam“ schrieb das „Rolling Stone Magazin" schon über das vierte Naomi Album „Aquarium". Das gilt nach wie vor. Nur in lauter.



Discographie:

2000:
That's Right (Mole Listening Pearls) 12", mp3

2001:
Avenue L'amour (Mole Listening Pearls) 12", mp3

2002:
Everyone Loves You (Mole Listening Pearls) CD, mp3
Everyone Loves You (Limited Edition) (
Mole Listening Pearls) 2CD, mp3
Go (Mole Listening Pearls) Promo CD
We Are So Beautiful (Mole Listening Pearls) 12"
We Are So Beautiful (
Mole Listening Pearls) Promo CD Single inkl. Amnesty International Video

2004:
Pappelallee (
Mole Listening Pearls) CD, mp3
Pappelallee (HoloPhon) CD, mp3
King Kong Is Not Dead (HoloPhon) 12"
iTunes Naomi Exclusive EP (HoloPhon) mp3
October (HoloPhon) mp3

2006:
Another Bite Of The Apple (Mole Listening Pearls) Promo CD
Another Bite Of The Apple (
Mole Listening Pearls) mp3
Aquarium (
Mole Listening Pearls) CD, mp3

2007:
Gone (Mole Listening Pearls) Promo CD
Gone (
Mole Listening Pearls) mp3
Needle On The Record (
Mole Listening Pearls) mp3

2008:
Pappelallee (Listening Pearls Series #2) CD ReRelease

Tweak (Mole Listening Pearls) CD, mp3

2010:
Morning Belle (
Mole Listening Pearls) mp3
The Big Shapes (Mole Listening Pearls) CD, mp3
Dragon Tree (Mole Listening Pearls) mp3

2011:
Sleep (
Mole Listening Pearls) mp3

2012:
The Big Shapes (Deluxe Edition) (Mole Listening Pearls) mp3 iTunes only

I'll Be The Past (Mole Listening Pearls) mp3


Videographie:

2007:
Gone (unplugged) Video #1

2008:
Gone Video (gross | klein)
Gone (unplugged) Video #2

2010:
Dragon Tree Video (gross | klein) -> Bilder vom Videodreh

2011:
Sleep Video

2012:
Fujiyama (Live @ Privatclub Berlin) Video


Audio Interview:

2010:
Naomi spricht über "The Big Shapes", aufgenommen im Juni 2010


Tourdaten:

2011:
The Big Shapes Tour -> Trailer


amnesty international Kampagne:

2002:
"
du kannst" (mit Franka Potente), unterlegt mit dem Titel "Go"