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nor elle

Als im März 1998 nor elle´s Debutalbum "Phantom of Life" erschien, wurde noch das Geheimnis gehütet, dass dahinter Norman Feller aka Terry Lee Brown Junior steckt - jener House DJ und Produzent aus Darmstadt, der auf dem Label Plastic City mit seinen Veröffentlichungen das Genre Tech-House entscheidend mitprägte. Unter dem Pseudonym nor elle begab er sich auch mit dem Folgealbum "Slapstick" im September 2001 ganz im Zeichen der Subline "Listening Pearls" auf eine weitere sphärische Reise,


die sich gerne Einflüsse verschiedener elektronischer Musikkulturen annimmt. Mal ein Stop beim Dub und dann schon wieder rechts vorbei zum Downbeat. Gerade durch die Downbeat Einflüsse schafft er es, eine gänzlich andere Musik als sein bekannteres Alter Ego zu entwerfen.

Norman Feller begann schon 1989 regelmäßig als DJ aufzulegen und konnte schon kurze Zeit später unter verschiedenen Pseudonymen seine ersten Releases vorweisen. 1994 brachte dann den Wendepunkt in seiner Karriere, als Norman sich entschloß, sich von nun an voll und ganz der Musik zu widmen. 1995 schuf er sich dann sein Alter Ego Terry Lee Brown Junior, das es ihm erlaubte, auf dem Label Plastic City seinen ganz eigenen Stil zu entwickeln:
Cooler und qualitativ sehr anspruchsvoller Tech-House. Für "Mole Fans" dürfte insbesondere auch seine etablierte Compilation Serie "Terry´s Café" von Interesse sein, da diese im Bereich von House das Gegenstück zu den Listening Pearls darstellt. Mit seinem Plastic City Labelkollegen The Timewriter aka JFC fertigte er im Juni 2002 auf Plastic City u.a. auch Remixe zu den Alphawezen Tracks "Gai Soleil" und "Electricity Drive" an.

Im Frühjahr 2006 veröffentlicht Norman Feller sein lang erwartetes dritte Album mit dem Namen "Kombologi". Der Name des neuen Albums ist bewußt etwas spirituell gewählt. Spiritualität bezeichnet das Bewusstsein und das daraus resultierende Handeln. Die Seele oder der Geist sind der Ursprung einer trans-zendenten Instanz und stehen zu einer höheren Wirklichkeit in Beziehung.
Das gleiche gilt auch generell für Musik. "Komboloi" ist die Gebetskette des Hilandar Klosters, auf dem Berg Athos, der Mönchsrepublik auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki. In Anlehnung an diese Reliquie heisst das neueste Werk von nor elle "Kombologi". Ein Album, das Musik ins Zentrum des Bewusstseins rückt und damit Seele und Geist berührt.
"Kombologi" ist ein fast schon episches Werk von ungemein emotionaler Dichte. Ein Album als eine Art musikalischer Roman, der in warmen Sounds und Beats in die wundersamsten spirituellen Ecken und Winkel der Welt führt. Ein Album, das von einem leichten sorgenfreien Leben erzählt. Musik, die nicht mehr nach etwas sucht, sondern längst an ihren verschiedenen Zielen angekommen ist. Die es gar nicht mehr nötigt hat, Botschaften zu transportieren, sondern einfach nur genießt und reflektiert. "Kombologi" funktioniert als Inspiration und Projektionsfläche zugleich. Die elektronischen Sounds sind so warm wie ein Schaumbad. Die Beats streicheln sanft über den Bauch. Eine ganz einfache Akustikgitarre überschüttet einen mit plötzlichen Glücksgefühlen. Aus den Boxen kommt warmer Wind, direkt vom blauen Himmel über der Wüste.
Norman Feller hat mit seinem Projekt "nor elle" schon drei perfekte Downbeat-Alben geschaffen. Jedes Album für sich ist ein einziger Höhepunkt an Klangkultur, Virtuosität und Gelassenheit.  Meisterwerke und Meilensteine, unterstützt von wunderbaren Gastmusikern.  Musik als der Ursprung einer transzendenten Instanz, die den Bezug zu einer höheren Wirklichkeit herstellt. Doch die drei ersten Alben sollten nicht das Schaffen von nor elle abschließen.

Im Herbst 2008 stellt daher nor elle sein viertes Album den Hörern vor und überrascht damit gleichzeitig mit einem bestechend neuen Ansatz: Einer vorgegebenen Rahmenhandlung, die vom Hörer selbst gedanklich und emotional ausgeschmückt und mit Inhalten gefüllt werden kann:
Die Nacht war sehr lang. Der Kopf fühlt sich an wie eine kleine Konserve in der das gemischte Gemüse in salzigem Wasser schwimmt. Auf dem feuchten schwarzen Bürgersteig dieser spärlich beleuchteten Straße stehend wo das orangefarbene Licht alles irgendwie zu mit einer dünnen Schicht Vanillesauce überzogenen Frucht tüncht, treiben die Gedanken Scherze mit dem Bewusstsein. Viele der offenen Fragen müssen beantwortet werden: Warum sind z.B. alle Fenster dunkel?
Sollte es mehr orangefarbenes Licht geben, so dass es scheint, als bestünde die Möglichkeit die Straße zu verschlingen, um schnell nach Hause zu gelangen? Ja – die Straße verschlingen. Die Straße verschlingen bis die Haustür vor dem Gesicht auftaucht. Und dann alles verschlingen, was das Haus umgibt. Alles, was bleiben würde könnte Stille sein, könnte Einsamkeit sein oder nichts. Zum nächsten Bahnhof laufen? Nein. Sich hier niederlegen, um etwas Schlaf abzubekommen? Unter keinen Umständen. Darauf warten bis etwas geschieht? Vielleicht die ersten zur Arbeit gehenden Menschen? Vorbeilaufend? Niemals! Doch halt – da sind einige näherkommende Autoscheinwerfer. Es ist ein Taxi. Ok, winken, anhalten und einsteigen. Die Weisung an den Fahrer: "Fahr mich nach Hause!" Und er fährt eine endlose Fahrt. Es gibt nichts zu sagen.
Von dem Moment an in dem er den Motor startete war klar, dass dies die Fahrt nach Hause ist. Den Kopf zurücklegen. Das Rennen der Lichter durch die Kabine genießen, die endlosen Reflektionen auf den Fenstern. Alles was draußen vorbeizieht ist wie die verwischte Farbe eines großen Gemäldes. Dann kommt der Schlaf...endlich.

Nach “Phantom Of Life” (1998), “Slapstick” (2001) und “Kombologi” (2006) definiert nor elle mit seinem vierten Album "T a x i" wieder seine eigenen Grenzen von Downbeat und Lounge.
Diesmal sich auf weite Sphären und melodische Reduktion konzentrierend, scheint das Album als Leinwand zu fungieren. Wie ein Film ohne Monologe oder eine Dokumentation ohne Kommentar lässt die Musik Raum für eigene Vorstellungen und Projektionen. Die Atmosphäre einer nächtlichen Taxifahrt erschaffend gibt nor elle ein Thema vor, doch der Rest hängt vom Hörer ab.

Wo das Taxi fährt, ob langsam oder schnell, ob der Fahrer gut oder schlecht ist vielleicht von der Stimmung desjenigen abhängig, der in die ruhige und fantastische Welt dieser wundervoll narrativen Stücke eintaucht. Sie beinhalten keine Anweisung außer sich zurückzulehnen und die Fantasie über eine warme Straße an einer Küste fliegen zu lassen, durch einen Wald oder das Zentrum einer erleuchteten Stadt.

Mit diesem Album erschafft nor elle ein Meisterwerk emotional aufgeladener Musik mit dem richtigen Instinkt für große Raumeffekte und innovativem Sounddesign.



Discographie:

1998
Phantom of Life (Album) CD, mp3

2001
Slapstick (Album) CD, mp3
Slapstick (Single) 12"

2006
Kombologi (Album) CD, mp3
Let Things Slide (Single) mp3

2008
Phantom of Life (Listening Pearls Series #3 - molelps003-2) CD ReRelease
T a x i (Album) CD, mp3
T a x i 4 5 (Single) mp3

2010
T a x i Nightshift (Single) mp3